Wahl in Sachsen-Anhalt
Stefan Leifert und die Forschungsgruppe Wahlen e.V., Mannheim
Wird die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zur historischen Zäsur? Erstmals könnte die AfD am 6. September 2026 die absolute Mehrheit erreichen.
Verfehlt sie die, droht eine schwierige Regierungsbildung. Scheitert die AfD mit ihrem Plan einer Alleinregierung, steht CDU-Regierungschef Sven Schulze vor einem Dilemma.
Von AfD und Linken will er sich nicht zum Ministerpräsidenten wählen lassen, mit den übrigen Parteien könnte es für eine Mehrheit knapp werden. Und dann? Dann, so Schulze, werde es "wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum erst mal keine Wahl des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt geben". Denn die Landesverfassung sieht für die Wahl keine Frist vor. Gelingt dagegen seinem Herausforderer Ulrich Siegmund von der AfD der Sieg, will der mit seiner Partei "dieses Land vom Kopf auf die Füße stellen."
Schon vor fünf Jahren schien eine AfD-Mehrheit nicht ausgeschlossen. Damals schaffte es der langjährige Ministerpräsident Rainer Haseloff , auf den letzten Metern die politische Mitte hinter sich zu sammeln - die CDU wurde deutlich stärkste Kraft. Seinem Nachfolger Sven Schulze wird das voraussichtlich nicht glücken - zu groß ist der Abstand zu der in den Umfragen führenden AfD.
Schulze ist jüngster Ministerpräsident Deutschlands und erst seit Ende Januar im Amt. Davor war er als Wirtschaftsminister Teil der Landesregierung unter Haseloff. Nur gut sieben Monate, um sich zu profilieren und einer breiten Bevölkerung bekannt zu machen - keine leichte Aufgabe. Schulze setzt auf Stabilität und Sachlichkeit, nicht auf Experimente und Lautstärke. Er will die Wirtschaft stärken, Arbeitsplätze schaffen und Fachkräfte gewinnen. Außerdem die Schulen modernisieren, die Polizei aufstocken und die medizinische Versorgung verbessern.
Sein Konkurrent Ulrich Siegmund von der AfD - ebenfalls nicht laut. Freundlich, zugewandt, aber radikal im Inhalt, den politischen Umbruch fest im Visier: umfassende Abschiebeoffensive, Kündigung des Medienstaatsvertrags, Abschaffung der Schulpflicht. Und vieles mehr steht im Regierungsprogramm. In diesem Duell geraten die übrigen Parteien fast etwas aus dem Fokus.
Auf dem dritten Platz könnte die Linke landen und im nächsten Landtag eine wichtige Rolle einnehmen. Eine Koalition mit ihr schließt die CDU aus, aber wenn es für eine Mehrheit nicht reichen sollte, könnte Schulze in einer Minderheitsregierung darauf angewiesen sein, sich von ihr tolerieren zu lassen. Ausgeschlossen haben er und Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern das bis jetzt nicht.
Für die SPD, die einst den Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt stellte, geht es diesmal ums Überleben. In den Umfragen ist sie aktuell deutlich einstellig. Spitzenkandidat Armin Willingmann - in der aktuellen Regierung Minister für Wissenschaft und Umwelt - kämpft um Sichtbarkeit seiner Partei.
Noch etwas schlechter ist die Lage für FDP und Grüne. Den Liberalen werden mit ihrer Kandidatin und Infrastrukturministerin Lydia Hüskens kaum noch Chancen ausgerechnet, dem nächsten Landtag anzugehören. Bei den Grünen ist das noch offen. Falls es gelingt, ist auch Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz offen, was eine Koalition mit der CDU angeht.
Mit Spannung wird erwartet, ob das BSW den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Die Partei hat einen Brief an die AfD geschickt und gemeinsame Wahlkampfveranstaltungen mit Alice Weidel vorgeschlagen. Claudia Wittig und Thomas Schulze wollen als Spitzenkandidaten mit "allen reden". Möglicherweise, weil sie der AfD zur Mehrheit verhelfen könnten, sollten sie in den Landtag gewählt werden.
Noch nie hat eine Landtagswahl schon im Vorfeld für so viel Aufmerksamkeit gesorgt. Tritt in Sachsen-Anhalt der Präzedenzfall ein und der erste AfD-Ministerpräsident wird im Amt vereidigt? Obwohl im dünn besiedelten Sachsen-Anhalt nur 1,7 Millionen Menschen wahlberechtigt sind, schaut ganz Deutschland auf die Wahl im Herbst.
Das ZDF sendet an diesem Abend live aus der Messe Magdeburg. ZDF-Politikchefin Shakuntala Banerjee begleitet die Zuschauerinnen und Zuschauer durch den Wahlabend. An ihrer Seite Parteienforscher Karl-Rudolf Korte und heute-journal-Leiter Stefan Leifert, der gemeinsam mit der Forschungsgruppe Wahlen Zahlen und Analysen liefert.
Begleitet wird der Wahlabend natürlich auch online im Live-Stream auf zdf.de und in der ZDFheute-App - erstmals dort auch in einem Live-Blog. Alle Informationen, Statements von Bundes- und Landespolitikern, aktuelle Prognosen und Hochrechnungen sind jederzeit abrufbar. Auf youtube.com/@ZDFheute, facebook.com/ZDFheute/ und Instagram /zdfheute/ werden die interessantesten Stimmen der Wahlgewinner und -verlierer gesammelt, dazu erfahren Nutzerinnen und Nutzer in Erklärgrafiken die spannendsten Analyseergebnisse der FGW zur Wahl.