Game of Drones | Was fliegt da am Himmel?
Am 2. Oktober 2025 bringt eine Drohne den Flugverkehr in München zum Erliegen. Fast 80 Flüge fallen aus. Rund 3000 Menschen müssen am Flughafen übernachten. München ist kein Einzelfall - allein 2025 wurden an deutschen Flughäfen über 220 drohnenbedingte Störfälle registriert. Drohnen überfliegen auch immer wieder kritische Infrastruktur wie Kraftwerke, Häfen oder Raffinerien - was zu Evakuierungen oder Betriebsstopps führen kann.
Wie können wir uns in Deutschland gegen solche unerwünschten Drohnen schützen? In welchem Luftraum dürfen Drohnen überhaupt fliegen und warum ist es so schwierig, die unbemannten Fluggeräte aufzuspüren?
Der Wissenschaftsjournalist Manuel Stark geht für "ARD Wissen" auf Spurensuche: Er trifft in Sachsen-Anhalt Luftfahrtingenieure des DLR und erfährt, was die Wissenschaft dazu beitragen kann, störende Drohnen abzuwehren. Eine Methode: "Jamming", das gezielte Stören der Funkverbindung der unerwünschten Drohne. Oder "Spoofing", das Fälschen von Navigationssignalen, wodurch die Drohne zum Landen gezwungen wird. Aber auch neue Abfang- und Jägerdrohnen darf Manuel in Europas wohl einzigartigstem Drohnentestzentrum beobachten.
Drohnen können auch nützlich sein: Sie helfen bei der Vermisstensuche. Unterstützen Feuerwehr und Rettungsdienst oder liefern Lagebilder bei Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überflutungen. Aktuell sind Drohnen vor allem an den großen Konflikten der Welt beteiligt: als Kampfdrohnen im Iran und in der Ukraine. Auch die Bundeswehr plant, in Sachen Drohnen massiv aufzurüsten.
Die Soldaten trainieren aktuell den Einsatz von Drohnen - etwa um Minenfelder zu beseitigen oder Kasernen vor Spionage-Drohnen zu schützen. Tatsächlich haben Drohnen mehrere entscheidende Vorteile: Sie sind klein, wendig - und sie kosten nur den Bruchteil etwa einer Abfangrakete oder eines Kampfflugzeugs. Aber wie gut steht die Bundeswehr eigentlich insgesamt da in Sachen Drohnen - verglichen mit anderen Armeen? Das möchte Manuel vom Sicherheitsforscher Frank Sauer wissen. Der Militärexperte sieht beim Thema Drohnen noch großen Nachholbedarf bei den deutschen Streitkräften.
Während Deutschland und andere westliche Nationen erst dabei sind, Drohnenkompetenz aufzubauen, sind die Länder im Osten Europas schon weiter, vor allem im Baltikum. Woran liegt das? Diese Frage führt Host Manuel Stark nach Lettland, wo er exklusive Einblicke in eine Drohnenfabrik bekommt, in der KI-gestützte Abfangdrohnen unter anderem für die Ukraine produziert werden. Der kleine baltische Staat spielt wegen seiner geographischen Nähe zu Russland und der ständigen Bedrohung eine führende Rolle bei der Entwicklung von Verteidigungsdrohnen. Das Ziel: Ein Drohnen-Schutzwall am Himmel entlang der NATO-Ostgrenze.
Die Wissenschaftsdoku macht deutlich: Drohne ist nicht gleich Drohne. Die Spannweite reicht vom Spielzeug mit Propellern bis zum unbemannten Hightech-Fluggerät mit Reichweite, Sensoren und Waffen. Drohnen können Rettungskräfte unterstützen, Lasten transportieren und Landesgrenzen verteidigen. Trotzdem müssen wir wachsam sein, vor allem bei unerwünschten Drohnen an sensiblen Orten wie Flughäfen. Damit Drohnen wirklich nur da fliegen, wo sie gebraucht werden.